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Warum der Klimawandel meine Existenz bedroht

Besser als dieses Jahr geht’s nicht.

Keine Frostschäden, kein Hagel, dafür viel Sonne und gerade noch genügend Regen. Wir erwarten einen außergewöhnlichen Jahrgang. Die Trauben werden gehaltvolle, kräftige Weine hervorbringen. Sommeliers lechzen schon jetzt nach diesen Tropfen. Die warmen Temperaturen machen es möglich.

„Danke, Klimawandel!“, ist man fast geneigt zu sagen. Eine solcher Ausspruch wäre aber das Dümmste, das aus meinem Mund kommen könnte. In Wahrheit ist es ganz anders – in Wahrheit bedroht der Klimawandel meine Existenz.

Tick-Tack. Tick-Tack.

Winzerin zu sein ist (m)eine Lebensaufgabe

Mein Name ist Anna Faber. Ich bin 27 Jahre alt und habe mich vor ein paar Jahren entschieden, das Weingut meiner Mutter Maria Faber-Köchl weiterzuführen. Winzerin zu sein ist kein Job wie jeder andere. In anderen Branchen geht es oft um kurzfristige Erfolge – der Kundin eine trendige Frisur zu schneiden oder als Key Account Managerin bestimmte Benchmarks zu erreichen. Das Weinmachen ist dagegen von langfristigen Prozessen geprägt. Viel Geduld und Leidenschaft gehören dazu.

Pflanzt man Rebstöcke aus, so liefern sie erst drei Jahre später die ersten Trauben. Hinzu kommen teure Investitionen im Keller, bei den Maschinen oder den Verkostungs-Räumlichkeiten – Kredite gehören zum Winzer-Job wie der Anzug zum Bankberater.

Einfach so kündigen – von einem Tag auf den anderen – ist bei diesem Beruf nicht möglich. Nein, Winzerin zu sein ist eine Lebensaufgabe – doch ob ich dieser Lebensaufgabe tatsächlich mein Leben lang nachgehen kann, dessen bin ich mir nicht sicher. Schuld daran ist der Klimawandel.

Tick-Tack. Tick-Tack.

Ist Weinbau in Österreich 2050 noch möglich?

Im besten Fall wird die Mittel-Temperatur der Erde bis 2100 „nur“ um zwei Grad Celsius steigen – dieses Ziel hat sich das Pariser Klimaabkommen gesetzt. Sieht die Politik – wie bis jetzt – tatenlos zu, so wird die Erderwärmung noch drastischer ausfallen. Schon eine Steigerung um drei Grad Celsius hätte das Versinken tausender Küstenstädte unter dem Meeresspiegel zur Folge.

Für viele Menschen sind die Auswirkungen des Klimawandels also lebensbedrohlich, in meinem Fall geht es „nur“ um die berufliche Existenz – auch wenn das schon schlimm genug ist. Ich weiß nicht, ob Weinbau 2050 in Österreich noch gewinnbringend möglich ist.

Klar, unsere Trauben würden etwas wärmere Temperaturen schon aushalten. Im Weinviertel, einer klassischen Kaltklima-Weinregion, müssten wir WinzerInnen damit beginnen, neue Rebsorten auszupflanzen, die die Sonne besser vertragen als unser Grüner Veltliner. So lange keine große Dürreperiode ausbricht, wäre das alles ein Problem, das zu bewältigen ist.

Tick-Tack. Tick-Tack.

Klimawandel führt zu Ernte-Ausfällen

Der Klimawandel hat jedoch andere, weit gravierendere Folgen als nur die Temperatur-Erhöhung: Klimatische Extrem-Ereignisse werden wahrscheinlicher. Anders gesagt: In Zukunft wird es immer mehr Unwetter-, Hagel- und Frostschäden in den Weingärten geben. Vorboten davon haben wir die letzten beiden Jahre erlebt, als Kälteeinbrüche im Frühjahr erheblich weniger Trauben bedeuteten.

Ich befürchte, dass perfekte Jahrgänge wie der 2018er in Zukunft die absolute Ausnahme bleiben werden. Stattdessen müssen wir WinzerInnen uns auf immer mehr Ernteausfälle und Weingarten-Schäden einstellen. Diese Entwicklung kann zur Bedrohung für unseren Berufsstand werden. Vielleicht zwingt mich der Klimawandel sogar irgendwann einmal dazu, meine Lebensaufgabe aufzugeben – das wäre der absolute Horror für mich.

Tick-Tack. Tick-Tack.

Die Uhr tickt. Noch ist es nicht so weit. Noch können wir etwas dagegen tun. Daher fordere ich unsere Bundesregierung, insbesondere Umweltministerin Elisabeth Köstinger, dazu auf, endlich die Ärmel hochzukrempeln und etwas gegen die Gefahr zu unternehmen.

Appell an Umweltministerin Köstinger

Als kleines Land wird Österreich den Klimawandel zwar nicht alleine verhindern, aber die aktuelle Klimabilanz ist erschreckend. In den letzten beiden Jahren ist der Ausstoß an Treibhausgasen gestiegen anstatt gesunken. Damit steht Österreich im krassen Gegensatz zum EU-Trend.

Zwar stellte die Umweltministerin im April eine Klimastrategie vor, doch fehlten darin konkrete Maßnahmen. Zahlreiche KlimaexpertInnen übten scharfe Kritik. Anstatt immerzu über das Problem zu reden, sollte die Politik endlich Maßnahmen ergreifen – beispielsweise ein öko-soziales Steuersystem einführen oder den Ausstieg aus den Kohlekraftwerken forcieren. Stattdessen plant die Regierung ein sogenanntes „Standortgesetz“, mit dem Umweltschutz-Prüfungen umgangen werden können. Das ist der komplett falsche Weg.

Von Frau zu Frau: Bitte tun Sie etwas, liebe Umweltministerin Köstinger! Ich möchte nicht, dass mir der Klimawandel den Job wegnimmt.

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